Lange war es ruhig um eine geplante Bebauung des Alwin-Mittasch-Parks in Ludwigshafen. Nachdem die ursprünglichen Pläne für ein Parkhaus, den göttlich innovativsten Supermarkt des REWE Konzerns und der „Wir sind überall Bäckereikette mit angeschlossenem Finanzinvestor mit dem LU-Local-Touch“ im Jahr 2022 in den Tiefen der qualifizierten Bebauungspläne verschollen schienen, regt sich wieder etwas auf Teilen des Mittasch-Parks in LU-Friesenheim.
Denn dort, wo bereits die „Bürgerinitiative „Rettet den Alwin-Mittasch-Park!“ nach der Gründung 2022 gegen die Ursprungsbebauung mit Protesten und Petitionen gegen diese Form des Umgangs mit dem Park protestierte, soll jetzt einer der so dringend benötigten Kindergärten in Ludwigshafen entstehen.
Oje, da gibt es einen Konflikt, den wir von typisch.lu nicht so im Blickfeld hatten.
Gut, Bürgerinitiativen gibt es einige, Petitionen auch. Soweit bekommen wir keine Panik.


Und doch wollen wir uns auf den Weg machen, den von uns bisher nicht im Blickfeld stehenden Mittasch-Park ins Zentrum zu rücken, uns die Problematik direkt am Ort des Geschehens anzuschauen und mit der Bürgerinitiative Kontakt aufzunehmen.
Es ist Donnerstag, kurz nach 18 Uhr, als wir bei sonnigem Wetter vom Gördeler-Platz in Richtung Mittasch-Platz laufen. Vorbei an der alten BASF-Bebauung, dem kleinen alten Kiosk auf der Ecke gehen wir auf dem breiten Fußweg die Leuschner Straße entlang. Hinten rechts, so wissen wir, wird gleich die Friedenskirche erscheinen. Wir können den Turm bereits sehen. Aber wo ist denn dieser Park.
Ach hier links. Wir stehen auf einem Parkplatz. Durch die Büsche links erblicken wir durch die Blätter scheinend die Sonnenstrahlen. Wir sind am Ziel. Hier, genau hier soll er also entstehen, der Kindergarten. Über uns erheben sich große Bäume, die Schatten spenden.
Ein paar Meter zurück und wir bewegen uns direkt in den Park. Wow, cool. So oft sind wir hier mit dem Auto vorbeigefahren, von der Hochstraße Nord am Beginn der BASF vorbei, den Hemshof umfahrend, die Leuchnerstraße hindurch und vorbei am Klinikum bis zur Erzberger Straße.
Wir haben ihn nicht bemerkt, obwohl uns die Bäume am Rand des Parks natürlich immer aufgefallen waren. Schön empfanden wir es hier schon immer.
Jetzt aber stoppen wir, wagen die ersten Schritt in den Park und sind überrascht.
Unser Blick wandert über große Rasenflächen, durchstoßen mit einzelnen Bäumen. Geschwungene Wege durchkreuzen den Park. Im Zentrum recht licht und offen, zum Rand mit dichten Büschen und großen Bäumen umsäumend ein abgeschlossenes Paradies inmitten der Stadt, nicht weit von der großen Badischen Ananas und Soda Fabrik.
Und hier im nordöstlichen Bereich, so erkennt man auf den Plänen soll der mit großen Bäumen überspannte Parkplatz und der Grüngürtel um den Park mit den Anlagen der KITA unterbrochen werden. Hmm, so richtig vorstellen, können wir es
uns nicht. Okay wir haben genug gesehen, uns ein Bild verschafft.

Wir schreiben der Bürgeriniative „Rettet den Alwin-Mittasch Park“. In ihrem Aufruf schreibt sie von alternativen Vorschlägen, die wir gern wissen wollen.
Es dauert auch nicht lange und wir bekommen eine Antwort. Zeit ist Geld und so werden Telefonnummern ausgetauscht. Zum Gespräch kommt es jedoch nicht.
Denn Annika, unsere Kontaktperson der Initiative, treffen wir bereits am Samstagmorgen auf dem Friesenheimer Wochenmarkt (übrigens einer der tollsten Wochenmärkte von LU).
Mit einem Stapel Flyer in der Hand, einer Unterschriftenliste, familiärer Unterstützung spricht sie motiviert die Besucher des Wochenmarktes an. Ein paar Gäste laufen vorbei.
Wir überlegen. Hmm Menschen im Stress, Personen die den Mittasch-Park nicht kennen (so wie wir auch), strickte Kindergartenbefürworter (was ja nachvollziehbar ist) oder sprachliche Hürden machen manchen Kontakt schwierig erscheinen.
Aber jetzt sind wir da.
Kurz vorgestellt, kommen wir locker ins Gespräch. Die Geschichte des Mittasch-Parks erfahren wir von ihr, die Umstände wie die Stadt zu diesem Kindergartenstandort kommt, über die Gründe warum 2023 die geplante ursprüngliche Bebauung gestoppt wurde und wie hartnäckig politische Entscheidungen innerhalb der Stadtverwaltung vorangetrieben werden (das hören wir ja mittlerweile von vielen Stellen). Immer wieder betont sie, dass die Bürgerinitiative nicht den „smarten“ Kindergarten (Containerbauweise) verhindern will, sondern gemeinsame mit der Stadt eine Standortalternative suchen will.
Stopp. Pause. Annika muss kurz einem interessierten älteren Paar erläutern, welche Aufgabe sie heute hier verfolgt.
Doch jetzt wollen wir mehr wissen? Kein Kindergarten, okay. Alternative Standorte klar, aber wo?
Wir fragen nach und bekommen sofort „Alternativvorschläge“ präsentiert. Da gäbe es doch in der Nähe des Ebertparks hinter dem Kinderhaus, die Übergangslösung , die seit einiger Zeit nicht mehr genutzt wird. Diese nicht mehr nutzbare (aufgrund von Schimmelsporen) könne man doch ersetzten und mit neuen Containern, den Standort „smart“ machen (mit direkten Zugang zum Ebertpark).
Okay, verstehen wir: „Alte Container weg, entsorgt und die „Neuen“ errichtet.“ Natürlich sind die Kosten für Abriss und Neubau höher, als das Fällen von Bäumen und die Neuerrichtung der Container.
Wir warten erneut. Eine mit einem Rollator an uns herangehende ältere Frau kommt auf uns zu und drückt uns die Daumen. Okay gut. Freut mich, auch wenn natürlich die Bürgerinitiative gemeint war. „Der nette Herr am Anfang hat mir alles erklärt“, sagt sie bedächtig.

„Ach Olaf, war also schneller“, höre wir Annika zu ihr sagen. Beide müssen ein wenig schmunzeln.
„Olaf?“ frage ich sie und muss zugeben, dass ich Olaf zwar in einer anderen Thematik kenne, ihn aber vor 5 Minuten nicht erkannt habe.
Eine weitere Alternative für einen Kindergartenstandort sei, so ein Vorschlag von Annika, die von so vielen Eltern in Ludwigshafen gewünschte Wald-KITA. Cool finden wir, vielleicht in der Nähe des bestehenden Kleinods des Trassenwaldes. Hier könnten die Kinder auch dieses andere Kleinod in LU erleben (übrigens ein tolles Konzept, um „neue“ Kindergärtnerinnen mit neuen Ideen zu gewinnen).
„Nein, lieber doch nicht. Dafür ist der Trassenwald eigentlich auch viel zu cool, naturnah und erhaltenswert.“ Kannibalisieren wollen wir uns ja auch nicht.
Aber uns fällt am Ende noch ein Standort an der Leopoldstraße ein, der derzeit als Parkplatz genutzt wird.
Spürbar merken wir, dass so langsam die Informationen der Bürgerinitiative bei den Besuchern des Wochenmarkts anzukommen scheinen. „Ihr Park am Klinikum“, der Pausenort einiger Mitarbeiter, die Abwechslung des Alltags von Patienten und Gästen. Niemand von den sich informierenden oder unterschreibenden Menschen will den Kindergarten verhindern. Aber sie wollen ihn auch nicht uneingeschränkt hergeben, die kleine grüne Lunge mitten in der Stadt.
Doch allmählich ist es Zeit, dass wir uns ein wenig zurückziehen. Wir wollen nicht weiter stören. Und so stellen auch wir fest, dass den Menschen „ihr“ Park ihnen doch wichtig ist, sie eine Mitbestimmung einfordern und sich auch bereits für den Park engagiert haben.
Vor Allem, so hören wir von einigen Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern, wünschen sich die Menschen wieder mehr wirklich Teilhabe an politischen Entscheidungen in Ludwigshafen.
Wir aber setzen uns wieder in die Straßenbahn und fahren weiter. Schöner Start in den Tag.
Um dem Anliegen der Bürgerinitiative „Rettet den Alwin-Mittasch-Park“ mehr Unterstützung zu geben, findet am Samstag, den 18.04.2026, um 15 Uhr eine Menschenkette statt, zu der Sie gern als Teilnehmer oder Besucher Teil der Aktion werden dürft.
Informationen:
https://www.mannheimer-morgen.de/orte/ludwigshafen_artikel,-ludwigshafen-protest-picknick-buerger-kaempfen-fuer-frischluftschneise-in-ludwigshafen-_arid,2309884.html
https://www.mannheimer-morgen.de/orte/ludwigshafen_artikel,-ludwigshafen-protest-gegen-kita-bau-menschenkette-in-ludwigshafener-alwin-mittasch-park-_arid,2369352.html
zur Petition:
https://www.openpetition.de/petition/blog/rettet-den-alwin-mittasch-park-2026/2

In der Regel, bevorzuge ich eine Wurzelkanalbehandlung gegenüber einer Darmspiegelung. Und beides gleichzeitig lieber, als dass die Platanen im Park gefällt werden. 🙁