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MDADBS – Männer, die auf den Bahnhof starren… Mit dem Naughtylus auf dem Pylon

Ach wie lange haben wir gebraucht, um diesen Artikel zu schreiben. Überfordert sind wir. Denn selten haben wir so viele Informationen in einem Interview in so kurzer Zeit bekommen aufgenommen. Viele Worte, viele Gesten und das Schweigen, das Kommunizieren ohne Worte. Und so kommt es zu dem Titel dieses Beitrages, dem MDADBS, den Männern, die auf den Bahnhof starren.

Es ist heiß, als wir bei gefühlten 35°C auf Axel warten, den wir hinter der Theke der Ludwigshafener Harfenklänge kennenlernt haben.

Klar, Harfenklänge…die kleinen aber feinen Ludwigshafener Hiphop-Events. Oft waren wir nach der Corona-Zeitenwende da, haben mit den Beinen zu den Beats gewippt und uns neue Reime, in die Schädel pressen lassen.

Und so standen wir, wie so oft in den vergangenen Monaten am Tresen im Dome, nicht in Köln, sondern im Kulturzentrum „dasHaus“.
Durstig weilten wir an unserem gepflegte kühlen hellen WOW-Bier, bevor wir uns wieder näher an die Bühne wagen wollten.

An dieser Abend sollte anders werden. Oder zumindest sollte, er den Ausschlag geben, ein wenig mehr auszulösen. Ein wenig Zeit hatten wir noch. Und so kamen wir in Gespräch mit unserem heutigen „Bier“-Sommilier, der uns heute nicht nur das Wasser, sondern eben unser WOW-Bier reichen würde.

Axel so stellte er sich vor, schien sich auszukennen. Er war nicht nur unser heutiger biereinschenkender Trinkmotivator. Nein, er kannte sich auch mit den Künstlerlinnen und Künstlern aus, die dort kurz vor der Bühne gespannt auf ihren Part des Abends warteten. Axel war meist sogar ein Teil von ihnen, den man heute anscheinend hinter den Tresen verbannt hatte.

Auch wenn wir oft hier waren und uns gefühlt hier auskannten, war uns Axel unter den ganzen MusicGourmetz nie aufgefallen. Doch das sollte sich ja heute ändern.

„Okay, also Axel“

Gut stellen hieß es und so wagten wir den ersten Schritt ein paar Worte zu wechseln, das Schweigen, wie es so oft bei den männlichen Individuen der Fall ist, zu brechen in der Hoffnung auf eine bevorzugte Bedienung beim nächsten Bier in dieser heiligen Harfenklanghalle.

Und so wechselten ein paar Worte die Seiten des Tresens und für uns war klar: „Hey, lass uns Quatschen, nicht heute, nicht jetzt, aber an einem coolen Ort, zu einer coolen Zeit in LU.

Jetzt heißt es erstmal die Harfenklänge zu genießen.

Ein paar Tage verstrichen. Die Zeit nahm ihren alltäglichen Lauf und doch sollte der Tag kommen, an dem wir die Zeit fanden, einen Termin in unseren vollgepackten Terminkalendern.

Es war heiß an diesem Sommertag. Der Asphalt brannte auf die weiten Straßenbänder dieser, unserer hässlichen, Stadt. Die Busse spuckten vor dem Hauptbahnhof die verschwitzten Passagier aus, die ätzend aus den klimatisierten fahrenden Benzmonstern (oder eher Diesmonstern) in die beißende Hitze traten. Wir gehörten dazu. Und so standen wir auf dem grauen Betonpflaster der Haltestelle und blickten nach oben auf das Stahlmonster der Stadt, den Pylon der Pylonenbrücke (oder den Pylon, denn schließlich ist es nur ein Pylon).

„Alter“, dachten wir noch kurz, „Scheiß Idee irgendwie bei diesen Temperaturen“. 35°C und wir wollen die gefühlt tausend Stufen der gewendelten Treppe (einseitig ist sie sogar gewändelt) zusammen mit Axel, dessen Künstlername eigentlich Naughtylus“ ist, erklimmen.

Gut, geile authentischer Ort für tolle Fotos. Straße gesperrt, über die Leitplanke gehupst, 1A Fotospot in einer 1A Location.

Und wir blicken uns um. Schnell erkennen wir ihn, wie er gechillt, aber bestimmt auf uns zukommt. „Echt, da hoch, heute?“ lesen wir aus seinem Blick.

Klar logisch.

Das ist LU, hartes Pflaster für abgechillte Menschen. Und so wird nicht lange gefackelt (dafür ist in LU noch immer die BASF zuständig) und wir erklimmen Stufe für Stufe unser Ziel, an den schmierigen Wänden entlang, auf den wahrscheinlich höchsten Punkt Ludwigshafens, also zumindest des höchsten heute von uns besuchten Punktes.

„Pah, geschafft.“

Oben angelangt ist es ruhig. Kein Auto überquert das Asphaltband, als wir die Leitplanken erklimmen. Jung und dynamisch wie überspringen wir die Leitplanke. „Hui“, sportlich wie ein Trupp Elefanten beim Zumbakurs.

Die Sonne spiegelt sich. Die Luft über dem Boden flimmert. Die in der Beton- und Asphaltmasse der Brücke gespeicherte Wärme dringt durch unsere Schuhsohlen und so setzen wir uns auf die Mittelleitplanke, direkt unter dem tonnenschweren Stahlmonstrum des Pylons. Bier wäre jetzt geil, sind wir uns einig oder zumindest ein erfrischendes Kaltgetränk aus dem Kühlschrank hinter dem Tresen des Dome.

Axel (Schütz) oder eher Naughylus ist startklar, bereit für unser Gespräch. Toll, wir auch.



„Moinsen“, beginnen wir das Gespräch. Oha, das kennen wir doch nur von der Küste und den Instagram-Videos von Naughtylus. Wir sehen den ein schmunzelnden Blick, einen Axel, der unsere Überraschung sichtlich genießt. Und auch, wenn wir sprachlich mit unseren Sprachkünstlerinnen und -künstlerinnen der Generation Rap nicht mithalten können, bleiben wir gefasst. Denn auch wir sind vorbereitet. „Chill man“. Die nordische Kühle brauchen wir jetzt, bei diesen heutigen Temperaturen.

Wir übernehmen aber gern kurz das Ruder. Platt, nee das können wir nicht (zumindest nicht sprechen), aber wir wollen mehr wissen. Wie steht es um das raptastische Sommerloch der Ludwigshafener Szene, die vielleicht aber auch nur wir so gerade erleben. Wo ist du luvanallee oder müssen wir erkennen, dass wir nicht von der Parallelstraße der Pasadenaallee reden?

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, in den heiligen Regionen der Ludwigshafener Rapszene mit Ableton Live zu produzieren? Und warum verschlägt es einen Bremerhavener in eine Binnenhafenstadt?
Ableton Live ist schnell erklärt, denn entgegen unserer Meinung wird diese DAW durchaus auch in der LU-Szene benutzt und „Ey, Bremerhaven hat mehr Ähnlichkeiten mit LU als wir erwartet haben.“

„Na klar“



Und so reden wir uns über die Zeit hinweg, über seine Unterstützung hinter dem Tresen des Kulturzentrums, seine Auftraiite auf den Bühne der Harfenklänge oder den Live Beats & Bars in der nicht so weit entfernten „Schtttttaaaadt“, mit dem defekten Schloss (Heidelberg).

Was trieb ihn nach LU? Und was fasziniert ihn an dieser doch so grauen Stadt, mit seinen manchmal so unknuffigen Menschen.

Und je mehr wir Naughtlus zuhören, über sein Leben erfahren (in dem er sich auch mit sozialen Themen befasst und engagiert), erkennen wir uns selbst wieder, zugezogen, abgezogen und festgetackert.

Und „halt“ Bremerhaven, da war doch noch etwas, was uns verbindet, soziale Probleme oder auch nicht den jeweilig größten Übersee- oder Binnenhafen zu haben. Wir reden über Hochhaussiedlungen, stolpern über die Pfingstweide und die Hochhausruinen von Stotel (die es mittlerweile nicht mehr gibt,) die Bremerhafens Rand markant gemacht haben.

Und da sind die Leute von Ribtide (die Speedbootfahrten auf der Weser), mit denen wir den gleichen Humor teilen. Die MDAWS, die Männer, die aufs Wasser (hier dürft ihr gern Googlen oder Eure KI befragen) kann man mögen, muss man aber nicht.



Und wie wir über jegliche Themen unserer neuen Heimat philosophiert und gerappt haben, merken wir wie die Zeit vergeht. Mit Sehnsucht schauen wir, als wir am Geländer der Pylonbrücke stehen, die Arme darauf abstützend über den Hauptbahnhof, hinüber über die Ruine des Rathauscenters zur BASF.

Weit wie die Hafenanlage in Bremerhaven, wissen wir, dass am Horizont, an der Ländergrenze, wo die Werte Ludwigshafens gerade produziert werden, die bald den Weg in die weite Welt treten werden. Die Sehnsucht ist da.

Ein wenig wehmütig, verlassen wir, die MDADBS, die Männer die auch den Bahnhof schauen, diese skurille Situation. Wir wissen, dass wir uns bald wiedersehen, bei den Harfenklängen oder den Live Beats & Bars in Heidelberg, der Heimat (also die Bühne in LU) von Axel, dem Zuhause von Naughtylus.



Axel hat es drauf. Unter dem Namen Naughtylus produziert er Songs, hat gelernt auf der Bühne zu stehen und die Hütte abzureißen. Erst zurückhaltend, doch mittlerweile ein fester Bestandteil der lokalen Hiphop und Rap-Szene arrangiert er Beats und Texte zu Werken, die Ihr Live erleben müsst.
Axel muss man selbst erleben, mit ihm sprechen, um den Menschen hinter Naughtylus kennenzulernen. Er verbreitet das Positive, motiviert andere Personen und zeigt an seiner Geschichte, dass man manchmal einfach nur machen muss.

Aktuell pausieren die Harfenklänge in LU und tanken noch etwas Kraft. Naughtylus findet Ihr aber regelmäßig ((Termin am Besten über seinen Insta-Account) am Neckar in HD, bei den Beats & Bars.

Sein aktuelles Album ist in der Produktion (wir durften schon kurz reinhören) und steht kurz vor der Veröffentlichung (Die Bekanntgabe des Namens und das Veröffentlichungsdatum wollen wir aber Axel überlassen). Folgt ihm einfach auf Instagram.

Bei der Produktion wird Naughtylus durch SKlassic unterstützt.

Aber wenn ihr vor dem Hauptbahnhof in Ludwigshafen steht (dort wo das Coverbild von Apaches Gartenstadt-Album oder die bewegenden Bilder von Kenplan’s Musikvideos entstanden sind) und nach oben zum Pylon schaut und Eure Augen zukneift, könnt Ihr ihn mit ein wenig Glück erkennen, den Naughtylus, der vielleicht gerade auf den Bahnhof starrt.

https://www.instagram.com/naughtylus_lu_official/
https://www.instagram.com/sklassic_muzik/

Die Fotos wurden gemacht von Markus Gräser.


1 Comment

  1. Axel "Naughtylus" Schütz
    Axel "Naughtylus" Schütz

    Sehr schön geschrieben,
    Euch allen weiterhin Viel Erfolg.
    Lg Axel

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