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Don’t wake a sleeping dog. – Ludwigshafen – Eine Stadt als Marke?

Wenn das ehemalige Hallenbad Nord in der Erzbergerstraße an einem Donnerstagabend die Türen (und das grüne Seitentor) öffnet und zu einem Vortrag zum Thema „Ludwigshafen als Marke“ einlädt, überrascht es die neugierigen Besucher auf den ersten Blick mit einer ungewöhnlichen Location und einem eigenwilligen Themenvortrag.

Was erst einmal als Kontrast neben Müllheizkraftwerk und Ebertpark merkwürdigt wirkt, symbolisiert jedoch die Gegensätze unser Stadt. Ungewöhnlich und eigenwillig, Arbeit neben Erholung, die abendliche Ruhe neben den kulturellen Events. Wir Ludwigshafener sind eben so.

Generationen von uns Ludwigshafenern kennen das Hallenbad Nord noch aus unserer Kindheit und Jugend. Hier haben wir die ersten Schwimmstunden unternommen und so könnte ein Jeder eine kleine Anekdote zum Hallenbad Nord erzählen. Für alle Anderen ist es spätestens jetzt an der Zeit das Hallenbad Nord zu erkunden und damit auf die Liste der Ludwigshafener Stadtentdeckung zu setzen.

Am 21.10.2021 war es wieder soweit. Nach gefühlt hunderten kulturellen Veranstaltungen an diesem Ort (die Kulturinteressierten nennen Ihre Geheimorte ja bereits LUcations) öffnete an diesem Abend die GML (das Müllheizkraftwerk mit dem bunten Schornstein in der Nacht) Ihre LUcation für den oben genannten Vortrag der Kuthan Immobilien Akademie.

Interessierte stolperten bereits seit geraumer Zeit über die Veranstaltung und so stand einer Anmeldung nicht viel im Wege. Freuen wir uns also auf einen schönen informativen Donnerstagabend mit vielleicht ein paar anderen und neuen Ansichten des ehemaligen LUKOM-Geschäftsführers und Vertreter eines „positiven“ Ludwigshafen Michael Cordier.

Logisch mussten wir uns, nach unserer Ankündigung, auf den Weg machen, um von diesem Abend zu berichten.


Es ist Donnerstag, 17:30 Uhr.

Schnurstracks laufen wir zielgerichtet auf den Eingang des Hallenbad Nord zu, wohlwissend: hier geht es rein und stehen erst einmal vor dem Freischwimmer der TWL. Stimmt, hier war ja noch was. Erinnern können wir uns auch an den Hinweis in der Anmeldung zum Vortrag, dass wir an der Erzbergerstraße am grünen Tor, Einlass finden werden.
Selbst Schuld. Bevor wir aber die Suche nach dem Tor beginnen, sehen wir sie schon, die Hinweisschilder, welche uns gefühlt alle 20 Meter den Weg zum Seiteneingang weisen. Nette Idee, das hat ein wenig etwas von einer Schnitzeljagd (Wo ist das nächste Schild). Nette Spiele am frühen Abend. Schön

Das grüne Tor ist somit schnell gefunden, der Weg zum Hintereingang des Hallenbads sofort entdeckt und über einen kleinen Umweg betreten wir über eine Treppe direkt die Schwimmhalle des Hallenbads.

Sofort steigt er uns in die Nase, der leichte Geruch von Chlor, wie wir ihn aus unsere Kindheit noch kennen. Wir erledigen kurz die coronabedingt notwendige Anmeldung und fragen uns, wo wohl die Badekappen ausgegeben werden.
Beindruckt von der Atmosphäre dieses Ortes, machen wir einen kleinen Rundgang entlang des Beckenrandes und entdecken bei jedem Schritt etwas Neues oder die kleine Details, an die wir uns noch aus unserer Kindheit genau erinnern können. Vorbei geht es an Kunstwerken (Bilder) welche auf dem grün schimmernden Wasser schwimmen, an den Wänden angebracht sind oder über eine beleuchtete Aktion an der Decke animiert werden (das kann man ja auch als Kunstwerk betrachten). Wir vernehmen Stimmen, von Besuchern die im gesamten Raum verteilt sind, ein Grundrauschen im Raum, ohne jedoch den Inhalt der Gespräche zu verstehen.

Hier soll er also stattfinden, der Vortrag über „Ludwigshafen – Eine Stadt als Marke“. Gut, ungewöhnlich, ja genau wie unser Ludwigshafen eben.

Während wir auf das Becken blicken und uns fragen, ob das früher wirklich bis zur Oberkante gefüllt war (natürlich war es das nicht) sind wir doch irgendwie froh, dass wir durch das umlaufende Geländer davor bewahrt werden, in einem unachtsamen Augenblick fasziniert ins Becken zu fallen.

Jetzt fühlen wir uns jung und alt zugleich, ein nettes Gefühl welches sich auch irgendwie durch den gesamten Abend ziehen wird.

Bewegen wir uns also durch die kleinen Ausstellungselemente auf dem Weg zur Tribüne, entdecken leicht versteckte Sofas, kleinen Kämmerchen mit Videoinstallationen und bestaunen die Fliesen, die noch aus dem Errichtungsjahr des Gebäudes stammen sollten.

Oben angekommen, finden wir schnell einen Platz, können dabei auf das Becken und die große Glasfassade in die grüne Umgebung blicken. Wir sind gespannt was uns erwartet.

Und dann geht es auch schon los.

Nach einer kurzen Begrüßung des Hausherren Herr Dr. Thomas Grommes, aktueller Geschäftsführer der GML und Verantwortlicher als Betreiber der LUcation des Feuerlöschbeckens (1.000.000 Liter) für das Müllheizkraftwerk, so wie man das Hallenbad Nord wohl offiziell betreibt.

Man spürt seine Begeisterung, auch an diesem Abend sich hier aufzuhalten zu können. Hierauf dürfen er und sein gesamtes Team des GML, wofür sie die Verantwortung tragen, berechtigterweise stolz sein.

Nach ein paar Begrüßungsworten an die Gäste wird noch einmal kurz auf die Ausstellung der 4 Elemente hingewiesen (einen Teil hatten wir ja bereits vor dem Betreten des Gebäudes gesehen). und schon wechselt das Mikrofon an den Gastgeber des Abends, an Herrn Georg Kuthan.

Stopp! Hier legen wir eine kurze Pause ein, denn Herr Kuthan lässt es sich nicht nehmen, seine einführenden Worte vom 3 Meter-Sprungbrett halten zu wollen. Vielleicht sind es die Kindheitserinnerungen, welche ihn zu diesem Schritt bewegt oder er möchte die Distanz zwischen den Gästen des Vortrages und ihm verringern. Auf jeden Fall ist es eine nette Showeinlage, welche die Situation auflockert und so manches Grinsen in die Gesichter der Besucher zaubert. Und während wir auf das Rufen des Bademeisters warten, welcher Herr Kuthan zum Tragen der Badekappe auffordert, sind wir doch recht schnell wieder im Jahr 2021 angelangt, dem Jahr wo am Ende des Sprungbretts eben nicht der Sprung ins kühle Nass lockt.

Nach einer kurzen Erläuterung des Konzepts der Kuthan Immobilien Akademie, in dessen Rahmen die für Jeden heute kostenfrei zugängliche Veranstaltung stattfand, einem Dank an die Mitwirkenden und der kurzen Erwähnung von Kuh Bella, berichtete Herr Georg Kuthan auch vom aktuellen Stand beim Thema Bewegungsparcours. Dabei wurde auch vom 3. geplanten Standort im Volkspark der Gartenstadt berichtet und die Spendenmöglichkeiten erläutert. Damit wurde wieder einmal kurz deutlich, dass aus einer netten kleinen Idee, eine Initiative entsteht, gemeinsame Interessen wachsen dürfen und für die gesamte Bevölkerung in einer Stadt einen erheblichen Mehrwert bietet. Super. Wir brauchen mehr davon.

Mit einer Umdeutung des markanten Zitats aus der Amtsantrittsrede des amerikanischen Präsidenten John F.Kennedy startet Herr Kuthan, seine Einleitung in das Thema des Abends: „Fragt nicht, was eure Stadt für euch tun kann – fragt, was ihr für eure Stadt tun könnt.“ Und tatsächlich trifft dieser Satz eine wunde Stelle unserer Stadt. Können wir von unserer Stadt verlangen, dass sie an allen Stellen unsere persönlichen Bedürfnisse befriedigt und müssen wir Teil davon werden, selbst aktiv zu werden, um diese unsere Stadt für alle Bewohner attraktiver zu gestalten?

“And so, my fellow Americans: ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country.
My fellow citizens of the world: ask not what America will do for you, but what together we can do for the freedom of man.”

Zitat aus der Amtsantrittsrede des amerikanischen Präsidenten am 20.Januar 1961

„Und deshalb, meine amerikanischen Mitbürger: Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.
Meine Mitbürger in der ganzen Welt: Fragt nicht, was Amerika für euch tun wird, sondern fragt, was wir gemeinsam tun können für die Freiheit des Menschen.“

deutsche Übersetzung


Und während Herr Kuthan die aktiven Menschen in den vielen kleinen Initiativen in Ludwigshafen lobt, wie sie als einzelne wichtige Mosaiksteine das Gesamtgesellschaftsbild unserer Stadt prägen, fordert er diese kleinen Mosaiksteine indirekt auch auf, eine Bewegung in die Bewegung zu bringen.

Kann das Anstoßen von kleinen Dingen, dem Austausch untereinander und das Einbeziehen von weiteren Mosaiksteinen unsere Stadt dorthin bringen, wo sie eigentlich hingehört?

Wann kommt sie, die Badekappendurchsage des Bademeisters, die eine der Voraussetzungen schafft, dass ein Anstoßen von Prozessen eben nicht im Hinuntersteigen von Aktiven endet, sondern durch einen kraftvollen Sprung ins Wasser zu einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen führt? Der Veranstaltungsort hat Symbolcharakter.

Danke für die Anregung.

Herr Kuthan leitet an Herrn Michael Cordier (ehemaliger Inhaber des PABST Porzellan und Glasgeschäftsgeschäfts in der Ludwigstraße und ehem. LUKOM Geschäftsführer) über, der sich berufsbedingt immer mit dem Thema Ludwigshafen auseinandersetzen musste. Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass er sich mit dem Thema Ludwigshafen auseinandersetzen durfte. Denn eines scheint auch er nicht verloren zu haben, den Mut, den Willen und die Begeisterung für unsere Stadt.

Auch Herr Cordier bevorzugt für seinen Vortrag den steilen Aufstieg auf das 3m-Sprungbrett. 21 Minuten, so droht er uns Gästen, werden wir seinen Ausführungen zuhören müssen. Doch diese Drohung wird er nicht einhalten können und wir werden nun auch ahnen, warum er nun gesichert auf dem 3m-Sprungbrett seinen Vortrag halten wird.

Wer jetzt einen super ausarbeiteten Marketingvortrag erwartet, wird schnell enttäuscht. Er erläutert wie eine Stadt LU als Wirtschaftsfaktor für Unternehmen und für die Personalentscheidungen wichtig sind. Auf der einen Seite schwärmt Herr Cordier für die schönen Ecken (die bekannten Cordier-Motztouren), kritisiert jedoch auch die so oft noch optimierbare Nachhaltigkeitsbetrachtung bei Entscheidungen. Besonders hebt er, die leider so oft völlig unerwähnten Stadtteile hervor, die eben das Leben in Ludwigshafen so lebenswert machen.

Und Eines fällt uns besonders auf. Herr Cordier erwähnt gern (ebenso wie Herr Kuthan) die vielen Aktiven der Stadt, die eine wirkliche Bereicherung darstellen und die Stadtgesellschaft an vielen Stellen so interessant macht. Das mag bei den meisten interessierten Besuchern an diesem Abend aus der Seele sprechen und kurz die immer wieder auftretenden Probleme vergessen. Dafür auch von uns ein großes „Daumen hoch“. Und so schnell wie der Vortrag begonnen hat, desto schneller ist dieser auch schon wieder vorbei.

Die abschließende Diskussion mit den kleinen und größeren Kritiken an der Stadtverwaltung, welche die Arbeit der Aktiven zu wenig unterstützt, ist bekannt. Daran werden wir als Bewohner unserer Stadt, auch aufgrund der Verschuldung, nur begrenzt Einfluss nehmen können.

Was aber diese Veranstaltung mit den Reden und Vorträgen uns Besuchern mitgeben konnte, war die Aufforderung weiterzumachen, sich zu vernetzen, die Stadt positiv nach außen zu tragen, sich eine gehörige Portion Lob abzuholen und sich nicht auf die Stadtverwaltung zu verlassen.

Denn wir Bewohner, wir Aktiven und wir Interessierten an unserer Stadt (und da sind die an der Stadt LU Interessierten eingeschlossen) gestalten eben diese und das Leben in ihr. Gestalten wir sie positiv!

Es darf nicht heißen: „Don’t wake a sleeping dog“, sondern „Wake a sleeping dog, now“

Wir haben den Abend genießen können und haben zahlreiche Anregungen mitgenommen. Und dann ist die Veranstaltung auch schon vorbei. Bevor Herr Dr. Grommes die Pumpen anwirft, werden alle Besucher aus dem Hallenbad geputzt.

In diesem Sinne: Bleibt positiv.

* Am Ausgang konnte für den 3. Ludwigshafener Bewegungsparcours noch gespendet werden.

PS: Für diesen Artikel gab es keine finanzielle Unterstützung durch die genannten Unternehmen. Damit stellt dieser Artikel keine Werbung dar.



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